Enterprise-Marktplatz

Das Einmaleins des Enterprise-Marktplatzes: Was ist ein Online-Marktplatz und wie funktioniert er?

Sara Matasci
15. September 2022
Das Einmaleins des Enterprise-Marktplatzes: Was ist ein Online-Marktplatz und wie funktioniert er?
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Weltweit hat der E-Commerce unsere Lebens-, Arbeits- und Kaufgewohnheiten verändert. Unkomplizierte Lieferungen, eine große Produktauswahl und günstige Preise sorgen dafür, dass sich Verbraucher online im Handumdrehen jeden Wunsch erfüllen können.

Vor allem Online-Marktplätze stechen aus der E-Commerce-Landschaft heraus: Sie sind in den letzten zwei Jahren doppelt so schnell gewachsen wie das gesamte E-Commerce-Segment und erzielen mittlerweile zwei Drittel des gesamten E-Commerce-Umsatzes. Grund für das rasante Wachstum ist die zunehmende Beliebtheit der Plattformen: So hat die Zahl der Marktplatzkunden in den letzten zwei Jahren um 35 % zugenommen. 

Doch was genau ist ein Online-Marktplatz eigentlich? Wie unterscheidet er sich von einer herkömmlichen E-Commerce-Seite? Wie funktionieren Marktplätze und weshalb finden sie bei Verbrauchern so großen Anklang? Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen des Marktplatzmodells und beleuchtet einige der weltweit gewichtigsten und herausragendsten Plattformen. 

Was ist ein Online-Marktplatz?

Einfach ausgedrückt, handelt es sich bei einem Online-Marktplatz um eine E-Commerce-Seite, auf welcher der Produktbestand vieler verschiedener Verkäufer erhältlich ist. Der Unterschied? Herkömmliche E-Commerce-Seiten vertreiben nur die Produkte eines einzigen Unternehmens, das diese von Großhändlern bezieht, sie einlagert, verwaltet, vermarktet und nach dem Kauf an ihren neuen Besitzer versendet.

Im Gegensatz dazu bringt der Online-Marktplatz verschiedenste Akteure zusammen, die jeweils ihre eigene Rolle spielen:

  • Der Marktplatzbetreiber hostet und managt den Marktplatz. 

  • Marktplatzverkäufer nutzen den Marktplatz im Sinne einer Plattform, über die sie als Drittpartei ihre Produkte und Dienstleistungen vertreiben. Dabei kümmern sie sich gewöhnlich um Bestellabwicklung, Lieferung und Retourenmanagement. Für jeden verkauften Artikel zahlen sie eine Provision an den Marktplatzbetreiber. 

  • Marktplatzpartner sorgen mit eigenen Tools und Services – etwa Steuer-Compliance, Logistik oder Feed-Management – dafür, dass der Marktplatz einwandfrei funktioniert.

Wie funktioniert ein Online-Marktplatz?

Auf einem Online-Marktplatz stammen die angebotenen Produkte nicht vom Marktplatzbetreiber selbst, sondern einem Drittanbieter. Der Betreiber verantwortet jedoch Aufmachung, Eindruck und die gesamte Customer Experience der Seite und kann dort gegebenenfalls neben den Artikeln seines Drittanbieternetzes auch eigene Produkte verkaufen. 

Kauft ein Kunde über den Marktplatz bei einem Drittanbieter, wickelt dieser die Bestellung ab und versendet den Artikel direkt an den Käufer. Der Verkäufer kümmert sich gegebenenfalls außerdem um Kundenservice, Umtausch und Retouren. Der Betreiber bietet dem Verkäufer einen neuen Kanal für zusätzliches Wachstum und erhält für jeden Verkauf eine Provision. Vom Online-Marktplatz profitieren also alle Beteiligten – Betreiber, Verkäufer und Käufer – gleichermaßen: 

  • Der Betreiber kann deutlich mehr Produkte anbieten, ohne Risiko und Verantwortung für deren Lagerung oder Versand übernehmen zu müssen. 

  • Verkäufer profitieren von der Vertrauenswürdigkeit einer etablierten Marke und gewinnen so neue Kunden. 

  • Vor allem aber freuen sich Käufer über eine größere Produktvielfalt und attraktivere Preise.

Im Grunde kann jedes Einzelhandelsunternehmen seinen eigenen Online-Marktplatz aufbauen und betreiben. Die Digital Natives unter ihnen unterhalten oft florierende Plattformen mit Angeboten von Drittanbietern, ohne selbst auch nur ein einziges Produkt oder Ladengeschäft zu besitzen. Traditioneller aufgestellte Einzelhändler nutzen das Marktplatzmodell, um parallel zu stationären Ladengeschäften ihren E-Commerce-Umsatz zu pushen. Einige der weltweit renommiertesten Marken räumen Online-Marktplätzen mittlerweile einen hohen Stellenwert in ihrer Gesamtstrategie ein.

Online-Marktplätze richten sich übrigens nicht nur an Endverbraucher. Auch Akteure im Business-to-Business (B2B) setzen auf das Marktplatzmodell. Dabei funktionieren B2B-Marktplätze nach denselben Grundsätzen wie ihre B2C-Pendants: Auf ihnen findet man Produkte unterschiedlicher Drittanbieter, die für die Artikellagerung und Bestellabwicklung verantwortlich zeichnen. 

Ziel ist es meist wie im Einzelhandel, als B2B-Unternehmen das eigene Online-Angebot auszuweiten. Darüber hinaus werden auch andere Arten von B2B-Marktplätzen immer beliebter: Sogenannte herstellerbetriebene Plattformen ermöglichen Channel-Partnern, sich als Verkäufer zu registrieren, und bieten Business-Kunden ein nahtloses Online-Erlebnis. B2B-Marktplätze verzeichneten im vergangenen Jahr ein über sieben Mal schnelleres Umsatzwachstum als der E-Commerce im B2B-Segment insgesamt und avancierten dort zum meistgenutzten Vertriebskanal. 

Was sind Beispiele für erfolgreiche Online-Marktplätze?

Online-Marktplätze gibt es in jeglicher Form und Größe. Zu den größten und bekanntesten gehören AliExpress und AmazonMarketplace:AliExpress mit Sitz in China bietet Verbrauchern in über 200 Ländern und Regionen Waren zu Großhandelspreisen an. Die Plattform ist in rund einem Dutzend Sprachen verfügbar und bedient Schätzungen zufolge jährlich etwa 150 Mio. Kunden weltweit. Auf Amazon Marketplace wiederum präsentieren Drittanbieter ihre Artikel neben den eigenen Produkten von Amazon. Über 1,9 Mio. Verkäufer umfasst der internationale Marktplatz des Unternehmens mittlerweile, das damit heute 58 % seines Gesamtumsatzes erzielt. Auch viele der beliebtesten Einzelhändler und B2B-Unternehmen betreiben bereits ihren eigenen Online-Marktplatz, der ihnen meist beträchtliche Vorteile einbringt – selbst wenn sie nicht an die Größe von Amazon oder AliExpress heranreichen. 

Die beliebte Fashion-Marke Madewell beispielsweise wirbt auf ihrem Online-Marktplatz mit „Labels We Love“, zu denen nicht nur die eigenen, sondern auch Kollektionen von Drittanbietern gehören. Auf anderen Marktplätzen findet man hingegen überhaupt keine Eigenmarken: Shop Premium Outlets, A Simon Digital Marketplace etwa führt Ware von Drittanbietern aus seinem Outlet-Netzwerk, jedoch keine eigenen Produkte. 

Zu weiteren beliebten Marken, Einzelhändlern und B2B-Lieferanten mit eigenem Marktplatz zählen ABB, Best Buy Canada, Carrefour, Debenhams, Hudson’s Bay, The Kroger Co., Leroy Merlin, Maisons du Monde, Toyota Material Handling, UNFI und Hunderte andere weltweit. 

Auch in Zukunft werden Online-Marktplätze weiter rasant wachsen und sich noch stärker im Alltag verankern. Erfahren Sie in weiteren Mirakl-Beiträgen alles über die bahnbrechende Plattformtechnologie und werden Sie mit uns zum Marktplatzexperten.

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Von
Sara Matasci
Director, Corporate Marketing at Mirakl

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